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Panorama di Nocera Terinese
Das Ritus der “Vattienti” (Geißelnde)

Die Religionsdarstellung am Karsamstag in Nocera Terinese ist oft als eine heidnische Veranstaltung verstanden worden. Man spricht viel von den „vattienti“ und neben diesem Ritus finden andere Passionsdarstellungen in zahlreichen Gemeinden der Region statt, wie z.B. die Vorstellung der Geißelnden in der Provinz von Reggio Calabria. Wir versuchen nun diese Rituale zeitlich einzuordnen um ihre tiefe Bedeutung zu verstehen. Man muss zunächst sagen, dass die heiligen Darstellungen aus dem Mittelalter stammen.
Der vattiente geißelt sich, um ein Versprechen zu erfüllen, doch ist sein Verhalten reich an Hinweisen auf die Schriften: Die Gestalten der Vorstellung sind der Gegeißelte und der hecce homo.
Der erste trägt einen Spargelkranz und stellt Christus dar. Der zweite ist ein Kind das ein rotes Tuch trägt. Er bringt das Kreuz und hat auf dem Kopf eine Dornenkrone. Die beiden sind durch ein Schnürchen, das eine geistige Verbindung darstellt, verbunden.
Gott ist ein Mensch geworden, aber er ist zugleich göttlich; er hat eine menschliche und göttliche Beschaffenheit.
Während des Ritus brauchen die vattienti das cardo und die rosa. Das Cardo ist ein Korkstück, das auf die Beine geschlagen wird, um laufendes Blut zu stimulieren. Gleichzeitig wird es benutzt um den Körper zu reinigen; die rosa ist ein Korkstück in das zwölf Glasstücke gesteckt werden; diese Zahl erinnert an die zwölf Apostel.
Bevor sie sich schlagen, waschen sich die vattienti mit einem Absud von Rosmarin, der im byzantinischen Ritus die Dreifaltigkeit symbolisiert. Dem Gebrauch dieser Pflanze sagt man eine blutstillende Wirkung nach.
Der vattiente geht durch die Menschenmenge: das symbolisiert die Teilung des Roten Meeres, der Moment des Exodus.
Der vattiente schlägt sich vor jedem Haus und markiert es; das ist auch ein klarer Bezug zur Schrift: jedes Haus, das mit dem Blut des Opferlammes markiert ist, wird von der Geißel des Todes verschont bleiben. Der vattiente, der das Blut mit dem Wein wäscht, stellt den Gründonnerstag dar: Das Blut, gemischt mit dem Wein ist die Darstellung der Eucharistie.

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